Schweizer Porsche 356 bei Team Martin
Unser Team Martin arbeitet aktuell an einem Porsche 356 B 1600 Super 90 Coupé von 1963. Der Wagen wurde von einem Kunden aus der Schweiz angeliefert und befindet sich bei uns in laufender Restauration. Es handelt sich nicht um ein Matching-Numbers-Fahrzeug, trotzdem bleibt die ursprüngliche technische und optische Ausrichtung wichtig. Gerade bei einem Porsche 356 B Super 90 geht es nicht darum, aus einem alten Coupé ein beliebiges modernisiertes Fahrzeug zu machen.
Der Wagen war bei Anlieferung grau und hatte fast sechs Jahrzehnte Nutzung, Reparaturen und Überarbeitungen hinter sich. Auf den ersten Blick war klar, dass unter der Oberfläche viel Arbeit wartet. Nach der vollständigen Zerlegung zeigte sich jedoch noch deutlicher, wie stark frühere Reparaturen die eigentliche Blechsubstanz verdeckt hatten.
Bitumen von oben und unten
Dieser Porsche wurde in der Vergangenheit nicht einfach repariert, sondern an vielen Stellen mit starken Schichten Unterbodenschutz und Bitumen überdeckt. Das betraf nicht nur den Unterboden. Auch von oben waren Bereiche mit dicken Schichten „beruhigt“ worden. Solche Arbeiten sehen für den schnellen Blick oft nach Schutz aus, sind aber bei einer Porsche 356 Restauration ein Problem.
Unter dicken Schutzschichten bleiben alte Schweißarbeiten, Rost, überdeckte Bleche und Spachtel oft jahrelang unsichtbar. Feuchtigkeit kann eingeschlossen werden, Kanten verschwinden, und die tatsächliche Struktur des Fahrzeugs lässt sich nicht mehr beurteilen. Erst nach Demontage und Freilegen der Schichten zeigt sich, welche Bereiche tragfähig sind und welche neu aufgebaut werden müssen.
Typische 356-Roststellen
Beim Porsche 356 B Coupé liegen die kritischen Punkte an den bekannten Stellen: Schweller beziehungsweise Longitudinals, Bodenbleche, Batteriekasten, Heizrohre, Türunterkanten, Radläufe, Frontpartie, Heckbereich, Stoßstangenaufnahmen und Scheibenrahmen. Genau diese Bereiche müssen bei diesem Wagen sauber geprüft und dokumentiert werden.
Bei einem 356 ist der Umgang mit Spaltmaßen besonders wichtig. Türen, Hauben, Kotflügel, Schweller und Bodenstruktur hängen eng zusammen. Wer nur einzelne Bleche ersetzt, ohne die Karosserie als Ganzes zu kontrollieren, baut später Probleme ein. Deshalb werden bei diesem Projekt Türen, Hauben und Anschlüsse immer wieder kontrolliert, bevor geschweißt, verzinnt, angepasst und vorbereitet wird.
Überdeckte Bleche und alte Spachtelstellen
Ein großes Thema sind die vielen überdeckten Bleche. Frühere Reparaturen wurden nicht sauber zurückgebaut, sondern teilweise einfach überlagert. Dazu kamen Spachtelbereiche, die alte Schäden optisch kaschierten. Für eine nachvollziehbare Porsche 356 B Restauration reicht es nicht, diese Schichten zu glätten und wieder zu lackieren.
Solche Bereiche müssen geöffnet, bewertet und dort, wo nötig, sauber herausgetrennt werden. Neue Bleche werden nicht nur eingesetzt, damit die Fläche wieder geschlossen ist. Sie müssen zu Form, Stabilität, Spaltmaß und späterer Montage passen. Das ist zeitintensiv, aber bei einem 356 die einzige vernünftige Grundlage.
Super 90, MFK und Originalität
Der Super 90 gehört zu den interessanten 356-B-Varianten. Der luftgekühlte Vierzylinder-Boxermotor, die Bremsanlage, Getriebe, Fahrwerk, Elektrik und alle vorhandenen Originalteile werden deshalb einzeln geprüft. Auch wenn dieses Coupé nicht matching numbers ist, bleibt die korrekte technische Linie wichtig.
Für die spätere MFK in der Schweiz muss der Wagen nicht nur schön aussehen, sondern technisch nachvollziehbar aufgebaut sein. Trommelbremsen, 6-Volt-Anlage und originale Baugruppen werden nicht vorschnell durch moderne Lösungen ersetzt. Entscheidend ist, was zum Fahrzeug, zur Schweizer Zulassung und zum Charakter eines Porsche 356 B Super 90 passt.
Laufende Restauration statt schneller Neuaufbau
Diese Restauration läuft noch. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf Zerlegung, Befund, Freilegen alter Reparaturen und Aufbau einer ehrlichen Karosseriebasis. Bei einem Porsche 356 Coupé mit Bitumen, Unterbodenschutz, überdeckten Blechen und Spachtel darf man nicht vom Lack her denken. Zuerst muss die Substanz stimmen.
Genau hier entscheidet sich, ob aus diesem Schweizer 356 später nur ein schöner Wagen oder ein sauber restauriertes Super-90-Coupé wird. Team Martin arbeitet deshalb Schritt für Schritt: freilegen, prüfen, dokumentieren, richten, ersetzen und erst danach an Lackierung, Technik und Endmontage denken.