Sechs Jahre Arbeit, kaum verwertbares Ergebnis
Ausnahmsweise kam kein Mercedes-Benz aus dem Großraum Stuttgart zu uns, sondern ein Austin-Healey 3000 BJ7 von 1962. Der 2+2-Sitzer hatte bereits eine längere Restaurationsgeschichte hinter sich, nur leider keine gute. Eine Werkstätte in der Nachbarschaft des Eigentümers hatte sich sechs Jahre an dem britischen Klassiker versucht. Das Ergebnis war kein fortgeschrittenes Projekt, sondern ein unvollständiger Haufen Teile, stümperhafte Schweißversuche und eine Karosserie, die zuerst wieder auf eine saubere Grundlage gebracht werden musste.
Solche Fälle sind für Eigentümer bitter. Sechs Jahre Standzeit bedeuten nicht automatisch sechs Jahre Fortschritt. Wenn Teile nicht dokumentiert, Bleche falsch angesetzt und Baugruppen unsortiert gelagert werden, beginnt die eigentliche Restauration später fast wieder bei null.
BJ7 mit 2+2-Karosserie und 2,9-Liter-Sechszylinder
Der Austin-Healey 3000 BJ7 gehört zur zweiten Serie der Big Healeys und wurde Anfang der 1960er Jahre gebaut. Unter der langen Haube sitzt der bekannte 2,9-Liter-Reihensechszylinder, beim BJ7 mit rund 132 PS. Die 2+2-Karosserie macht ihn praktischer als die reinen Zweisitzer, ändert aber nichts an den typischen Schwachstellen der Baureihe.
Beim Healey entscheidet die Karosseriesubstanz früh über den gesamten Restaurationsumfang. Schweller, Bodenbereiche, Türen, Kotflügel, Radläufe, Spritzwand, Kofferraumboden und die Anschlüsse der vorderen Karosseriestruktur müssen stimmen. Bei diesem Fahrzeug kam zusätzlich ein Unfallschaden im Frontbereich dazu. Ein schlecht reparierter Vorderwagen beeinflusst nicht nur die Optik, sondern auch Haubenpassung, Kotflügelanschlüsse und die Geometrie der vorderen Baugruppen.
Schlechte Schweißversuche und beschädigter Vorderwagen
Die Karosserie zeigte typische Schäden, aber auch Spuren der misslungenen Vorarbeit. Grobe Schweißnähte, unklare Übergänge und schlecht vorbereitete Blechbereiche sind bei einem Austin-Healey kein kleines Problem. Die Karosserie ist ohnehin arbeitsintensiv, weil viele Partien angepasst, gerichtet und im Zusammenhang mit Türen, Hauben und Kotflügeln geprüft werden müssen.
Beim Freilegen solcher Stellen sieht man schnell, ob jemand Blech ersetzt oder nur Material auf Schaden gesetzt hat. Wenn Schweißpunkte ohne saubere Kante sitzen und Spachtel die Form retten soll, trägt am Ende nicht die Reparatur, sondern die Lackvorbereitung die Täuschung. Das hält nicht.
In den Werkstätten in Tschechien wurde die Karosserie instandgesetzt, der Unfallschaden vorne aufgearbeitet und die Grundlage für den Lackaufbau hergestellt. Danach folgte die Volllackierung. Auch das Fahrwerk wurde montiert, damit der Wagen rollfähig an den Eigentümer zurückgegeben werden konnte.
Klar begrenzter Auftrag statt endloser Baustelle
Der Auftrag umfasste eine weitgehende Restauration, jedoch ohne Elektrik, Motorarbeiten und Inbetriebnahme. Diese Bereiche übernahm der Eigentümer in Eigenregie. Damit war der Leistungsumfang klar abgegrenzt: Karosserie, Lack, Fahrwerk und rollfähiger Aufbau bei uns, Endmontage der fehlenden Bereiche außerhalb unserer Werkstätten.
Wirtschaftlich ist ein Austin-Healey 3000 BJ7 grundsätzlich restaurationswürdig. Die Nachfrage nach Big Healeys ist stabil, und ein 1962er BJ7 mit 2,9-Liter-Sechszylinder gehört nicht zu den Fahrzeugen, bei denen man über den Sinn einer seriösen Karosseriearbeit lange diskutieren muss. Gefährlich wird es nur, wenn vorher sechs Jahre an der falschen Stelle gearbeitet wurde.
Nach der Instandsetzung der Karosserie, der Volllackierung und der Montage des Fahrwerks ging der Wagen zurück an den Eigentümer. Ein „Nachbar“ übernahm die Endmontage. Hoffentlich dauerte es diesmal nicht wieder sechs Jahre. Und hoffentlich mit größerem Erfolg.