Als Teilrestauration geplant
Dieser BMW E9 3.0 CSi von 1971 kam aus Deutschland zu uns. Es war für uns der erste E9 überhaupt. Heute kennen wir diese Coupés gut, aber gerade dieses frühe Projekt zeigte schon sehr deutlich, warum eine BMW E9 Restauration fast nie bei dem Umfang bleibt, den man am Anfang erwartet.
Geplant war zunächst eine Teilrestauration. Nach dem Freilegen der Karosserie wurde daraus eine Fast-Komplettrestauration. Motor und Getriebe blieben unangetastet, alles andere wurde bearbeitet: Karosserie, Lack, Fahrwerk, Bremsen, Elektrik, Innenraum, Chrom, Montage und Abstimmung. Der Wagen wurde abgeschlossen und fahrbereit an den Besitzer übergeben.
BMW 3.0 CSi mit Handschaltung
Der BMW E9 wurde von 1968 bis 1975 gebaut und gehört zu den bekanntesten deutschen Coupés dieser Zeit. Der 3.0 CSi war die Einspritzversion mit M30-Sechszylinder und gehört heute zu den gesuchteren Varianten der Baureihe. Dieses Fahrzeug hatte Handschaltung und die originale weiße Lackierung, die nach der Karosseriearbeit wiederhergestellt wurde.
Ein E9 sieht elegant und leicht aus, aber die Karosserie ist für Restauratoren kein leichtes Thema. Die Karmann-Karosserie ist berüchtigt für Rost an verdeckten und tragenden Bereichen. Viele Schäden sitzen dort, wo man sie beim Kauf nur schwer sieht. Genau deshalb ist ein BMW E9 oft ein schönes Auto mit sehr ernster Substanzfrage.
BMW E9 Schweller, A-Säulen und Federdome
Auch dieser 3.0 CSi hatte die typischen BMW-E9-Rostschäden. Betroffen waren Fensterrahmen, A-Säulen, Schweller und Federdome. Diese Bereiche gehören zu den wichtigsten Prüfpunkten bei jedem E9. Sie entscheiden nicht nur über Optik, sondern über Stabilität, Spaltmaße und die spätere Fahrbarkeit.
Gerade die Schweller sind beim E9 ein eigenes Kapitel. Von außen sieht man oft nur einen kleinen Teil. Entscheidend ist, was im inneren Schweller, an den Anschlüssen zur A-Säule, an den Bodenbereichen und im Übergang zu den hinteren Seitenteilen passiert. Wenn dort schlecht repariert wurde, entstehen später Türen, die nicht sauber schließen, unklare Spaltmaße und eine Karosserie, die optisch zwar glänzt, aber strukturell nicht überzeugt.
Versteckter Heckschaden statt sauberer Ausgangsbasis
Zusätzlich kam ein versteckter Unfallschaden am Heck zum Vorschein. Äußerlich war dieser Schaden nicht sichtbar. Erst bei der Zerlegung und Freilegung wurde klar, dass die Heckpartie nicht nur normale Alterungsspuren trug. Solche Befunde ändern den Umfang einer Restauration sofort. Ein altes Coupé kann sauber lackiert wirken und trotzdem unter der Oberfläche alte Richtarbeiten, Spachtel oder schlecht angepasste Bleche verstecken.
Beim BMW E9 ist das besonders kritisch, weil Heckabschluss, Seitenteile, Kofferraumboden und Übergänge zu den Radläufen zusammenpassen müssen. Wird hier ungenau gearbeitet, sieht man es später an Spaltmaßen, Stoßstangen, Leuchten und Kofferraumdeckel.
Volllackierung in Originalweiß und neue Lederausstattung
Nach den umfangreichen Oldtimer Karosseriearbeiten erhielt der BMW eine Volllackierung in originalem Weiß. Diese Farbe passt sehr gut zum E9, verlangt aber saubere Flächen. Weiß verzeiht keine schlechten Übergänge, keine welligen Seitenteile und keine unsauberen Kanten. Vor dem Lack mussten deshalb Türen, Hauben, Fensterrahmen, Chromteile und Anbauteile mehrfach angepasst werden.
Der Innenraum wurde nach Kundenwunsch mit Leder neu aufgebaut. Damit ging das Projekt deutlich über eine reine Karosserie- und Lackarbeit hinaus. Gerade beim E9 prägt der Innenraum den Charakter des Wagens stark: flache Sitzposition, große Glasflächen, schlanke Säulen und das typische BMW-Coupé-Gefühl der frühen 1970er Jahre.
Der erste E9 blieb nicht der letzte
Rückblickend war dieser BMW 3.0 CSi für uns ein wichtiges Projekt. Er war unser erster E9 und zeigte bereits alle Themen, die uns bei späteren BMW-E9-Restaurationen wieder begegneten: Rost an Schwellern und A-Säulen, beschädigte Federdome, problematische Fensterrahmen, versteckte Unfallschäden und ein Restaurationsumfang, der während der Arbeit wächst.
Aus einer geplanten Teilrestauration wurde eine Fast-Komplettrestauration. Genau das ist bei einem BMW E9 kein Ausnahmefall, sondern fast die Regel, wenn man den Wagen gründlich prüft. Wer einen BMW E9 restaurieren lassen möchte, sollte deshalb nicht vom sichtbaren Zustand ausgehen, sondern von den bekannten Schwachstellen. Dieses Coupé wurde am Ende fahrbereit übergeben – weiß, handgeschaltet, mit neuer Lederausstattung und mit einer Karosserie, deren Probleme nicht mehr unter Lack verborgen waren.