Eine Heckflosse nördlich von Kassel
Diesen Mercedes-Benz 190 D W110 holten wir nördlich von Kassel ab, um eine abgebrochene Restauration wiederzubeleben. Die Geschichte dahinter war ungewöhnlich und traurig: Der Besitzer der Werkstatt, in der die Arbeiten begonnen hatten, war verstorben. Danach blieb das Projekt unvollendet zurück.
Die Erben hatten mit Oldtimern wenig Erfahrung. Sie sammelten die vorhandenen Teile nach bestem Wissen zusammen und gaben sie dem Eigentümer mit dem Auto zurück. Das war menschlich nachvollziehbar, half technisch aber nur begrenzt. Als wir mit der Restauration fortfuhren, standen Kisten voller Teile bereit. Viele davon passten jedoch nicht zum W110, und gleichzeitig fehlten wichtige Mercedes-190-D-Teile.
Viele Kisten, aber die falschen Teile
Das ist ein Problem, das bei abgebrochenen Restaurationen häufig unterschätzt wird. Ein zerlegtes Auto mit vielen Teilekisten sieht zunächst vollständig aus. Erst beim Sortieren zeigt sich, ob die Teile wirklich zum Fahrzeug gehören. Bei dieser Heckflosse fehlten unter anderem viele Kleinteile, Zierleisten, Leuchten und Chromteile. Genau solche Teile kosten später Zeit, weil sie oft modellspezifisch sind und nicht einfach durch irgendetwas Ähnliches ersetzt werden können.
Die Karosserie war bei Anlieferung bereits gemacht. Unsere Aufgabe war deshalb nicht der komplette Neuaufbau einer rostigen Rohkarosserie, sondern die Fortsetzung und Fertigstellung einer unterbrochenen Restauration. Trotzdem musste alles geprüft werden: Karosseriezustand, Teilelage, Technik, Passungen und der tatsächliche Umfang der fehlenden Arbeiten.
Spenderfahrzeug wenige Kilometer entfernt
Glücklicherweise konnten wir nur wenige Kilometer von unserer Werkstatt entfernt einen Ersatzteilspender finden. Es handelte sich um einen Benziner aus dem gleichen Baujahr. Für die Dieseltechnik half das nur bedingt, aber für viele Karosserie-, Innenraum-, Leuchten-, Zierleisten- und Chromteile war dieser Spender entscheidend.
Ohne dieses Fahrzeug wäre die Fertigstellung deutlich schwieriger geworden. Gerade bei einer Mercedes Heckflosse sind die großen Dinge oft lösbar. Die kleinen Dinge bremsen ein Projekt aus: Clips, Zierleisten, Lampenteile, Halter, Blenden, Dichtungen, Chromrahmen und Befestigungen. Wenn diese Teile fehlen oder aus einem anderen Modell stammen, wird jede Montage zur Sucharbeit.
OM621, Einspritzanlage und gerissener Zylinderkopf
Der 190 D besitzt den OM621-Dieselmotor. Bei diesem Projekt wurde der Motor überholt, einschließlich Einspritzanlage. Dabei zeigte sich ein ernstes Problem: Der Zylinderkopf hatte Risse. Solche Befunde sind bei alten Dieselmotoren keine Kleinigkeit. Ein Motor kann äußerlich vollständig wirken und trotzdem innen erhebliche Schäden haben.
Die Überholung musste deshalb nicht nur reinigen und abdichten, sondern den Motor technisch wieder auf eine tragfähige Basis bringen. Einspritzanlage, Zylinderkopf, Abdichtung und die typischen Dieselthemen entscheiden später darüber, ob eine Heckflosse zuverlässig startet, sauber läuft und nicht nur schön auf dem Hof steht.
Originalfarbe Blau und fertige Übergabe
Der Mercedes wurde in seiner originalen blauen Farbe fertiggestellt. Die Restauration wurde abgeschlossen und das Fahrzeug konnte wieder übergeben werden. Aus einer unvollendeten Werkstattgeschichte mit falschen Teilekisten wurde am Ende doch noch eine funktionierende Heckflosse.
Diese Restauration hatte ihren eigenen Charakter. Es ging nicht darum, eine schlechte Werkstattarbeit anzugreifen. Der Tod des Werkstattinhabers war der Grund, warum das Projekt stehen blieb. Gleichzeitig zeigt der Fall aber deutlich, wie wichtig Dokumentation, Teileordnung und Fahrzeugkenntnis sind. Wenn ein Oldtimer zerlegt wird, müssen Teile markiert, fotografiert und sauber dem Fahrzeug zugeordnet werden.
Abgebrochene Restaurationen richtig fortsetzen
Eine abgebrochene Restauration ist selten einfacher als ein normales Projekt. Oft ist bereits Geld geflossen, das Auto steht zerlegt da, wichtige Teile fehlen, und niemand weiß mehr genau, was schon gemacht wurde. Bei dieser Mercedes 190 D Heckflosse kam noch hinzu, dass viele Teile gar nicht zum W110 passten.
Das glückliche Ende war der passende Spenderwagen in der Nähe unserer Werkstätten. Ohne ihn wäre die Suche nach Zierleisten, Leuchten, Chrom und vielen Kleinteilen deutlich länger geworden.
So fand auch diese Restauration ein gutes Ende. Nicht schnell, nicht ohne Umwege, aber sauber abgeschlossen.