Mercedes-Benz 190 SL W121, 1960 – Restauration nach abgebrochener Nachbarhilfe

Germany

Wenn Nachbarhilfe teuer wird

Ein trauriges Beispiel dafür, wie „Nachbarhilfe“ enden kann. Der Eigentümer aus dem Großraum Dresden vertraute einem Nachbarn seinen Mercedes-Benz 190 SL von 1960 zur Restaurierung an. Nach mehreren Jahren bestand die Karosserie nur noch aus einem Grundgerippe auf dem Rahmen. Der Nachbar hatte keine Lust mehr oder wusste vermutlich nicht mehr, wie er dieses Projekt zu Ende bringen sollte.

Bei einem Mercedes 190 SL ist das kein kleines Problem. Dieses Auto verzeiht keine planlose Zerlegung und keine Karosseriearbeiten ohne feste Bezugspunkte. Türen, Hauben, Schweller, Bodenstruktur, Vorderwagen, Heckpartie, Verdeckaufnahme und Spaltmaße hängen eng zusammen. Wenn ein Fahrzeug in diesem Zustand abgebrochen wird, beginnt die eigentliche Restauration oft nicht bei null, sondern bei minus.

Mercedes 190 SL W121 B II von 1960

Der Mercedes-Benz 190 SL gehört zur Baureihe W 121 B II und wurde von 1955 bis 1963 gebaut. Er besitzt den 1,9-Liter-Vierzylindermotor M121 und ist technisch kein kleiner 300 SL, sondern ein eigenständiger Roadster mit eigenem Charakter. Dieses Fahrzeug hatte nur ein Stoffverdeck, kein Hardtop.

Die Technik war bei diesem Projekt jedoch nicht Teil unseres Auftrags. Motor, Getriebe und Interieur sollten später vom Eigentümer beziehungsweise außerhalb unseres Umfangs montiert werden. Unsere Aufgabe lag bei Karosserie, Lack, Fahrwerk, Chrom und rollfähigem Aufbau.

Nur noch Reste auf dem Rahmen

Der Zustand bei Übernahme war hart. Von einer geordneten Restaurationsbasis konnte man nicht mehr sprechen. Es war nur noch das Grundgerippe der Karosserie auf dem Rahmen vorhanden. Viele wichtige Bezugspunkte mussten wiederhergestellt, geprüft oder neu aufgebaut werden. Genau hier trennt sich handwerkliche Karosseriearbeit von gut gemeinter Schrauberei.

Bei einer Mercedes 190 SL Restauration sind Schweller, Boden, Radläufe, Front, Heck, Türen, Verdeckbereich und alle Anschlussstellen entscheidend. Wird an diesen Punkten ohne System gearbeitet, verliert die Karosserie ihre Form. Dann passen später Türen, Hauben, Stoßstangen, Chromteile und Verdeck nicht mehr zusammen.

800 Arbeitsstunden bis zur rollenden Karosserie

Rund 800 Arbeitsstunden später stand der Wagen wieder auf seinen Rädern. Bearbeitet wurden Karosserie, Lack, Fahrwerk und Chromarbeiten. Die Karosserie wurde aufgebaut, angepasst, lackiert und als rollende Karosserie übergeben. Das Fahrzeug erhielt wieder seine originale Farbe: DB 180 Silbergrau Metallic.

Diese Farbe passt gut zum 190 SL, verlangt aber sehr saubere Flächen. Metalliclack auf einem klassischen Roadster zeigt unruhige Übergänge, schlechte Kanten und ungenaue Vorarbeiten sofort. Vor dem Lack mussten deshalb Karosserieform, Spaltmaße, Anbauteile und Chrompassung geklärt sein. Lack ist bei einem solchen Projekt nicht der Beginn, sondern die letzte sichtbare Schicht auf sehr viel Vorarbeit.

Kein Projekt für Amateure

Dieser Mercedes 190 SL zeigt deutlich, warum eine Restauration nicht einfach an jemanden vergeben werden sollte, der „das schon irgendwie kann“. Ein 190 SL ist teuer, gesucht und technisch überschaubar, aber seine Karosserie ist anspruchsvoll. Wer ohne Erfahrung beginnt, zerlegt oft mehr, als er später wieder herstellen kann.

Die Kosten entstehen dann doppelt: zuerst durch verlorene Jahre, dann durch die Korrektur oder den Neuaufbau dessen, was unfertig liegen geblieben ist. Bei diesem Wagen war es immerhin möglich, die Substanz wieder in eine verwertbare Form zu bringen. Aber der Aufwand war erheblich.

Übergabe zur weiteren Montage

Das Projekt wurde bei uns als rollende, lackierte Karosserie abgeschlossen. Motor, Getriebe und Innenraum waren nicht Teil des Auftrags und wurden dem Eigentümer zur weiteren Montage übergeben. Hoffentlich nicht wieder beim gleichen Nachbarn.

Dieser 190 SL ist keine romantische Geschichte über eine gemütliche Garagenrestauration. Er ist eine Warnung. Wer einen Mercedes 190 SL restaurieren lassen möchte, sollte zuerst prüfen, wer die Arbeit wirklich kann, welche Referenzen vorhanden sind und ob der Betrieb mit Karosseriestruktur, Spaltmaßen, Verdeckpassung und Chromteilen umgehen kann. Gute Nachbarschaft ersetzt keine Fachkenntnis.

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