Ein W115 aus Berlin mit fünf Zylindern und einer verbrauchten Hülle
Aus Berlin kam ein Fahrzeug in unsere Werkstätten, das technisch das Zeug zum Dauerläufer hatte: ein 240D 3.0 mit dem robusten Fünfzylinder-Diesel, Baujahr 1976. Der Motor galt schon immer als Maßstab für Langlebigkeit – Kilometerstände jenseits der 500.000 sind für dieses Aggregat keine Seltenheit. Der Rest des Wagens allerdings erzählte eine andere Geschichte.
Schon bei der Anlieferung sahen wir, dass die Karosserie an mehreren tragenden Punkten durchgerostet war. Unterbodenschutz ohne Ende und sichtbare Lochfraßstellen an allen nur erdenklichen Stellen zeigten, dass hier jahrelang nur notdürftig überdeckt worden war.
Was nach der Demontage zum Vorschein kam
Nach dem Entfernen von Türen, Hauben, Innenausstattung und sämtlichen Anbauteilen zeigte sich das ganze Ausmaß. Die Bodenbleche waren großflächig perforiert, die Schweller auf der gesamten Länge existierten nicht mehr. An den Anschlusspunkten der Hinterachse fehlte stellenweise jedes tragfähige Blech. Fast alle tragenden Elelmente wiesen starke Durchrostungen auf.
Dazu kamen frühere Eingriffe, die den Zustand verschlimmert statt verbessert hatten: eingeschweißte Flickbleche ohne Nahtabdichtung, Bitumen über frischem Rost, Spachteldicken von mehreren Millimetern an den Radläufen. Unter diesen Schichten hatte die Korrosion ungestört weitergearbeitet. Der Aufbau einer Ersatzkarosserie wäre die einzigen fachlich sauberen Wege gewesen.
Ersatzteilbeschaffung und wirtschaftliche Abwägung
Der Motor und das Getriebe waren in einem Zustand, der eine Überholung technisch möglich machte. Dichtungen, Lagerschalen, Einspritzdüsen – alles ersetzbar, die Teileversorgung für den OM617 ist gut. Auch am Fahrwerk hätte sich mit vertretbarem Aufwand arbeiten lassen. Das eigentliche Problem lag in der Karosserie.
Brauchbare W115-Karosserien sind selten geworden. Die Kosten für eine Ersatzkarosserie, den Transport, Aufbau und Lackierung den Marktwert eines fertigen 240D 3.0 deutlich übersteigen. Die Kalkulation ergab für dieses Fahrzeug eine wirtschaftliche Schieflage, die sich nicht schönrechnen ließ. Der Eigentümer zog daraufhin die Konsequenz und beendete das Projekt.
Warum ein vorzeitiger Abbruch manchmal die bessere Lösung ist
Die Entscheidung, eine Restauration abzubrechen, ist manchmal die richtigere als ein Weiterarbeiten ohne tragfähige Kalkulation. Gerade bei einem W115, dessen Marktwert selbst in gepflegtem Zustand nicht in extreme Höhen steigt, muss das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis stimmen.