Von Wien nach München und später zu uns
Dieses beendete Projekt kam aus der bayerischen Landeshauptstadt München zu uns. Es handelte sich um einen MGB Roadster, der 1967 erstmals im schönen Wien zugelassen wurde. Der Wagen war ein Linkslenker und blieb viele Jahre in Besitz einer Familie. Anfang der 2010er Jahre verkaufte die Witwe diesen britischen Roadster nach München.
Vor dem Verkauf hatte es bereits einige halbherzige Restaurierungsversuche gegeben. Genau solche Vorarbeiten machen ein Projekt oft schwieriger als ein völlig unberührtes Fahrzeug. Man weiß zunächst nicht, was repariert, verdeckt, überarbeitet oder nur kaschiert wurde.
MGB Rost, alte Reparaturen und Bauschaum
Der MGB hatte den Rost aus rund 50 Jahren in sich. Betroffen waren typische Bereiche wie Schweller, Boden, Radläufe, Türunterkanten, A-Säulen, Scheibenrahmen, Kofferraumbereiche und tragende Anschlussstellen. Beim MGB sind besonders die Schweller und inneren Strukturen wichtig, weil sie nicht nur optische Bleche sind. Sie tragen wesentlich zur Stabilität der selbsttragenden Karosserie bei.
Dazu kamen mäßige Unfallschäden hinten links auf der Fahrerseite. Im Bereich Schweller und hinteres Radhaus fand sich eine Reparatur, die vermutlich in den 1980er Jahren „fachmännisch“ mit Bauschaum ausgeführt wurde. Nüchtern gesagt: Bauschaum hat in einer Oldtimer-Karosserie nichts zu suchen. Er stabilisiert nicht, schützt nicht dauerhaft und hält Feuchtigkeit genau dort, wo sie später weiterarbeitet.
Vollständige Karosserierestauration
Die Karosserie wurde vollständig restauriert. Alte Reparaturversuche wurden entfernt, rostige Bereiche sauber ersetzt und die Unfallspuren korrigiert. Bei einem MGB Roadster entscheidet diese Arbeit darüber, ob Türen, Hauben, Spaltmaße und Verdeck später passen. Eine hübsche Lackierung allein löst keine strukturellen Probleme.
Nach den Karosseriearbeiten wurde der Wagen in seiner originalen roten Farbe lackiert. Rot passt gut zum MGB, verzeiht aber keine schlechte Vorbereitung. Gerade an Flanken, Türen, Hauben und Radläufen sieht man später sofort, ob die Blecharbeiten sauber ausgeführt wurden.
Fester Motor und verstopftes Kühlsystem
Der Motor war fest. Bei der Zerlegung zeigte sich ein weiteres Problem: Er war fast vollständig mit altem Frostschutzmittel und Ablagerungen verstopft. Das Kühlsystem war nicht mehr nur verschmutzt, sondern technisch ein ernstes Risiko. Ein einfacher Startversuch oder eine oberflächliche Spülung hätte hier nicht gereicht.
Der 1,8-Liter-B-Series-Motor wurde komplett überholt. Dazu gehörten Zerlegung, Reinigung, Prüfung, Abdichtung und die notwendigen Arbeiten an den inneren Komponenten. Auch das Kühlsystem musste wieder in einen Zustand gebracht werden, in dem der Motor später zuverlässig laufen konnte.
Innenraum und fertige Übergabe
Neben Karosserie, Lack und Technik erhielt der MGB neue Teile im Innenraum. Sitze, Teppiche, Türverkleidungen und Lenkrad wurden erneuert. Damit wirkte der Wagen nicht nur technisch und karosserieseitig wieder stimmig, sondern auch im Innenraum sauber und vollständig.
Die Komplettrestauration wurde abgeschlossen, und der MGB wurde fahrbereit an den Eigentümer nach München übergeben. Aus einem britischen Roadster mit alten Reparaturversuchen, Rost, Bauschaum und festem Motor wurde wieder ein nutzbarer Klassiker.
Britischer Roadster ohne romantische Verklärung
Der MGB ist einer der bekanntesten britischen Roadster. Seine Technik ist überschaubar, die Teileversorgung gut, und viele Arbeiten sind grundsätzlich lösbar. Trotzdem ist er kein Auto, bei dem man Rost und alte Reparaturen ignorieren darf.
Dieses Projekt zeigt das sehr klar. Ein MGB kann freundlich, offen und unkompliziert wirken. Unter der Oberfläche entscheiden aber Schweller, Bodenstruktur, Radläufe, Scheibenrahmen, Federaufnahmen und Motorzustand über Aufwand und Kosten. Wer einen MGB Roadster restaurieren lassen möchte, sollte deshalb nicht nur auf Lack, Chrom und Innenraum schauen. Entscheidend ist, was unter alten Reparaturen steckt.