Feuchte Scheune, fehlende Teile und alte Schäden
Dieser Triumph TR6 von 1970 kam aus Berlin zu uns. Der Wagen hatte über Jahre in einer Scheune gestanden, die alles andere als trocken war. Für einen britischen Roadster mit offener Karosseriestruktur ist das keine harmlose Vorgeschichte. Feuchtigkeit kriecht unter Teppiche, in Falze, unter Dichtmasse und in Hohlräume. Was außen noch wie ein rettbares Restaurationsobjekt wirkt, kann nach der Demontage schnell eine lange Liste aus Rost, fehlenden Teilen und alten Unfallschäden werden.
Bei diesem TR6 war genau das der Fall. Betroffen waren die typischen Bereiche der Baureihe: Schweller, Bodenbleche, Radläufe, Kotflügel, Kofferraumboden, Scheibenrahmen und teilweise die Ausleger. Der Rahmen selbst war nicht der Hauptschaden, was bei einem TR6 ein wichtiger Befund ist. Wenn der Rahmen tragfähig bleibt, verschiebt sich der Schwerpunkt der Arbeit auf Karosserie, Anbauteile, Technik und Montage.
TR6 mit 2,5-Liter-Sechszylinder und Vergasern
Der Triumph TR6 wurde von 1969 bis 1976 gebaut. Die Karosserieform stammt von Karmann, technisch blieb er ein klassischer britischer Roadster mit separatem Rahmen und 2,5-Liter-Reihensechszylinder. Dieses Fahrzeug ist eine Vergaser-Version, nicht die europäische PI-Ausführung mit mechanischer Einspritzung. Damit sind die technischen Aufgaben etwas anders gelagert: Vergaser, Zündung, Kraftstoffversorgung, Kühlung und Abgasanlage müssen als System funktionieren.
Ein TR6 wirkt robust, aber nach langer feuchter Lagerung zählt kein Ruf. Bremsanlage, Kupplung, Fahrwerk, Gummilager, Leitungen, Elektrik und Instrumente brauchen einen vollständigen Befund. Armaturen und Chromteile fehlten teilweise, was bei der Endmontage schnell mehr Zeit kostet als große sichtbare Arbeiten. Ein fehlender Schalter oder eine nicht passende Leiste hält ein Projekt genauso auf wie ein durchgerostetes Blech.
Komplettrestauration statt Scheunenromantik
In den Werkstätten in Tschechien wurde der TR6 komplett restauriert. Die Arbeiten umfassten Karosserie, Lack, Technik, Innenraum, Chrom, Armaturen, Fahrwerk, Bremsen, Elektrik, Motor, Getriebe und Endmontage. Bei einem Fahrzeug aus feuchter Scheunenlagerung beginnt das nicht mit Farbe, sondern mit vollständiger Zerlegung und Dokumentation.
Rost an einem TR6 arbeitet gerne dort, wo der Käufer schlecht hinsieht: unter Teppichen, an Übergängen von Boden und Schweller, an Radläufen, in Kofferraumbereichen und rund um alte Reparaturstellen. Wenn beim Entfernen des Teppichs der Geruch von feuchter Dämmung und altem Rost aufsteigt, ist das kein Detail. Dann hat das Auto jahrelang Wasser gespeichert.
Die Unfallschäden kamen zusätzlich dazu. Kotflügelanschlüsse, Spaltmaße, Türpassung und die Lage der Front- und Heckpartien mussten deshalb nicht nur optisch, sondern strukturell geprüft werden. Eine neue Lackierung auf einem verzogenen Aufbau wäre nur eine kurze Pause bis zum nächsten Problem.
Restaurationswürdigkeit eines TR6
Wirtschaftlich ist ein Triumph TR6 grundsätzlich ein sinnvoller Restaurationskandidat, wenn Rahmen und Identität stimmen. Die Teileversorgung ist besser als bei vielen britischen Exoten, die Technik ist nachvollziehbar, und die Nachfrage nach guten TR6 bleibt stabil. Trotzdem bleibt die Rechnung hart: Fehlteile, Chrom, Innenraum, Karosseriearbeit und eine komplette technische Revision können den Aufwand schnell deutlich erhöhen.
Bei diesem Projekt war die Entscheidung trotzdem nachvollziehbar. Der Rahmen war nicht der Hauptschaden, das Fahrzeug war vollständig restaurierbar, und der Eigentümer wollte keine Verkaufsaufbereitung, sondern einen echten Neuaufbau. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der TR6 fertiggestellt und an den Besitzer zurückgegeben.
Die 5-Sterne-Bewertung bei Google war eine schöne Bestätigung. Wichtiger war für uns das Folgeprojekt: Der Eigentümer vertraute uns danach auch seinen Morgan Plus 8 an. Das sagt bei Restaurationsarbeiten mehr als jeder polierte Chromstoßfänger.